Pfarrer Reppenhagen meinte zu Beginn der Predigt
am Ostermontag:
„Ich weiss nicht wie es in Liedolsheim üblich
ist, aber in Rußheim sind am Karfreitag doppelt
so viele Menschen im Gottesdienst als an Ostern."
Pfarrer Reppenhagen wußte nicht, warum das so
ist.
Er fuhr fort: "Wenn im Fernsehen eine zweiteilige
Fortsetzungsserie kommt, dann schaut man doch nicht
nur den ersten Teil und den zweiten Teil versäumt
man, dann weiss man doch nicht wie es ausgeht. Aber
tatsächlich irgendwie hat sich die Tradition durchgesetzt,
dass Karfreitag der wichtigste Gottesdienst ist, der
wichtigste Feiertag und wenn man sonst nicht in die
Kirche geht dann wenigstens am Karfreitag.
Wir finden viele Stellen beim Apostel Paulus die das
bestätigen. Paulus wollte den Gemeinden nichts
anderes vor Augen malen als den Gekreuzigten.
In der Schriftlesung in 1. Kor. 15 haben wir gehört,
dass Jesus für uns gestorben ist, sei das Wichtigste.
Auch an Ostern möchte ich daran nicht rütteln,
aber dass dem so ist, wissen wir nur von Ostern her.
Dass an Karfreitag tatsächlich
eine Heilstat geschehen ist für uns, das wissen
wir nur von Ostern. Denn wenn die Auferstehung
nicht geschehen wäre, dann wären die Jünger
irgendwo verschollen, wir hätten nichts von ihnen
gelesen, keine Evangelien wären entstanden, es
wäre nichts passiert und wir würden hier nicht
sitzen.
Erst die Auferstehung Jesu, erst die Auferweckung Jesu
bestätigt die Kreuzigung. Von
daher brauchen wir Ostern um Karfreitag verstehen zu
können.
Stellen sie sich vor es gäbe nur Karfreitag. Was
hätten wir in der Hand? - Sünde nein, Gericht
ja, nichts weiteres, keinen Neuanfang.
Keine schöpferische Macht wäre auf einmal
da, Gott hätte sich mit seinem neuen Leben doch
nicht durchgesetzt. Der Tod hätte letztlich doch
gesiegt. Wir hätten sozusagen nichts zu hoffen
und nichts zu glauben.
So stelle ich einfach mal die Behauptung auf, wir brauchen
Ostern um an Karfreitag und an unserer Schuld nicht
zu verzweifeln, wir brauchen aber auch Karfreitag damit
wir unsere eigene Schuld unseren eigenen Tod nicht einfach
umschiffen oder unter den Teppich kehren sondern auch
dazu stehen.
Es gibt nämlich diese Schuld in unserem Leben
und es gibt diesen Tod in unserem Leben und da müssen
wir durch, denn ohne Karfreitag gibt es auch kein Ostern.
Von daher sind Karfreitag und Ostern Fortsetzungsgeschichten.
Wenn man das so will, erster und zweiter Teil.
Und wenn man das aufs ganze Jahr ausdehnen will, dann
haben wir vier Teile. Mit Weihnachten beginnt es, Karfreitag
und Ostern und dann noch Pfingsten, die Entstehung der
Gemeinde.“
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