Evangelische Kirchengemeinde Liedolsheim

Elise und August Seitz kamen am Donnerstag, den 25. August 2005 zu einem Dankgottesdienst anläßlich
des 60-jährigen Ehejubiläums in die evangelische Kirche in Liedolsheim.
Beim 60- jährigen Ehejubiläum ist es die „Diamantene Hochzeit“.
Bei Diamanten denken wir unwillkürlich an den großen Wert dieser Steine, an ihre Schönheit, aber auch daran, dass sie dauerhafter sind als Gold und Silber, sagte Pfarrer Boch bei seiner Begrüßung.
Dass ihre Liebe dauerhaft und beständig war, das können wir alle daran sehen, dass beide, heute nach 60 Jahren hier traut vereint vor dem Altar sitzen, um Gott zu danken und von ihm den Segen für das weitere gemeinsame Leben zu empfangen.
Die Erfahrungen ihres gemeinsamen Lebens gleichen den Facetten des Diamanten, in denen sich das Licht in ganz unterschiedlichen Farben widerspiegelt. Die guten und schwere Erfahrungen gehören zusammen, denn so wie erst alle Facetten gemeinsam dem Diamanten seinen ganz besonderen Glanz geben – so bilden auch die unterschiedlichen Erfahrungen eines gemeinsamen Leben erst das Ganze.
Bei Ihrer Trauung durch Pfarrer Heuser haben August Seitz und Elise Baumeister hier in der Kirche ihren gemeinsamen Lebensweg mit dem Bekenntnis zueinander und mit Gottes Segen begonnen.
“Gott segne dich!“ – für den einen heute nicht mehr als ein frommer Spruch, der wenig Bedeutung hat, für den anderen haben diese drei Worte größte Bedeutung für das eigene Leben.
So unterschiedlich können Menschen mit Worten umgehen. Ebenso ist es mit den Worten des Trauspruches unseres Diamanthochzeitspaares, über die Pfarrer Boch an diesem Festtag neu nachdachte.
Es sind Worte von Paulus aus dem Galaterbrief. In Kapitel 6, Vers 2 schreibt Paulus:

“Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Als sich Pfarrer Boch mit dem Jubelpaar vor einigen Tagen traf, hielten Sie Rückschau und erzählen von ihren Erfahrungen aus den Zeiten vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg.
Dabei kam manches zur Sprache, was ohne dieses gemeinsame Tragen der Lasten gar nicht zu bewältigen gewesen wäre. Alles begann damals mit der angedrohten Zerstörung Remscheids, vor der sich viele Frauen und Kinder in Sicherheit brachten. So kam auch Frau Seitz, zusammen mit ihren Kindern hierher nach Liedolsheim, wo ihr erster Mann früher zuhause gewesen war.
Der Großangriff auf Remscheid erfolgte dann tatsächlich und brachte großes Leid über viele Familien – auch über die junge Familie, die dabei den Vater verlor. In Liedolsheim fanden sie dann einen Neuanfang. Herr Seitz, waren selbst im Krieg gewesen und trug die Folgen einer Verwundung in Belgien seit vielen Jahren mit sich. Nach all den schweren Erfahrungen wollten beide das Leben als Ehepaar und Familie neu wagen.
Pfarrer Heuser wusste um die schweren Erfahrungen – als er den Trauspruch auswählte.
Diese Worte sind mehr als ein Aufruf zum Zusammenhalten – „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“,
erinnert auch daran, dass Jesus selbst uns dazu aufforderte: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken.“ Der, der uns auffordert, die Lasten gemeinsam zu tragen, bietet uns an, uns zu helfen, das, was schwer auf uns liegt zu tragen.
Im Rückblick auf die 60 Jahre Ihrer Ehe kam für das Ehepaar sicher manche Erfahrung zutage, wo sie viel zu tragen hatten, wo sich aber ihre Tragkraft verdoppelt hat, weil Sie in Ihrer Liebe zueinander hielten und wo sie um den Dritten in Ihrem Bunde wussten.
Pfarrer Boch dachte dabei auch an das Schöne, das das Paar erleben durfte,
die Kinder aus erster Ehe und die Kinder, Klaus und Helga, die beiden in ihrer Ehe geschenkt wurden. Inzwischen haben diese selbst ihre eigenen Familien und das Jubelpaar darf sich über sieben Enkel freuen.
Gerade auch deshalb ist es gut, Gott zu danken. Ihm, dem man sich und andere anbefehlen kann, Ihm zu danken, dafür, dass er durch Schuld und Tiefen und eigene Schwächen hindurch die Seinen nicht verlässt, auch in schlimmen Anfechtungen von Trauer und Leid nicht.
Pfarrer Boch wünschte dem Diamantenen Hochzeitspaar am Ende des Festgottesdienstes weiterhin Gottes Geleit und Segen.

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