Evangelische Kirchengemeinde Liedolsheim

Am Sonntag Judika, den 21. März 2010, wurden in unserer Kirche 24 Jugendliche bei ihrer Konfirmation eingesegnet.

Einzug

In seiner Predigt veranschaulichte Pfarrer Boch den Glaubensweg mithilfe eines Fahrrads, genauer eines Mountainbikes.
Eine Wegstrecke - der Konfirmandenunterricht war zuende und mit der Konfirmation wurden die Jugendlichen auf einen neuen Wegabschnitt gestellt. Es gibt da einen schönen Satz aus der Bibel, aus einem alten Gebet. Dort betet einer zu Gott und sagt: Du stellst meine Füße auf weiten Raum.
Oder in einer neueren Übersetzung:
Jetzt bin ich frei zu gehen, wohin ich will.
Eine neue Wegstrecke also. Wie kommt man am besten auf so einem Weg voran? Zu Fuß ist klassisch, aber mühsam. Inliner und City-Roller schon etwas cooler. Aber vor allem hat man mittwochs immer an den vielen Rädern vor dem Gemeindehaus gesehen, dass Konfirmandenunterricht ist, meinte Pfarrer Boch. Und so hatte er sich

ein Mountainbike ausgeliehen, denn er meinte, so ein Fahrrad hat etwas über die jungen Leute zu sagen.
Da fällt zuerst mal die Lackierung, die peppige Aufmachung auf. Wer auf diesen Sattel steigt, will beachtet werden und zeigt, was er drauf hat. Und genauso hat er viele von den Jugendlichen erlebt. "Ihr versteckt Euch nicht –
Ihr wollt Aufmerksamkeit, der Rest der Welt soll sehen, dass es euch gibt. Ob es dabei um die Klamotten geht, um mehr oder weniger lockere Sprüche, um die zur Schau getragene Coolness oder eine spezielle Jugendsprache, die sich jedes Jahr irgendwie neu erfindet. Ich finde das absolut o.k.", sagte Pfarrer Boch.
"Ihr seid ja in Eurem Verhalten nur ein Spiegelbild unserer Zeit, in der viel auf das Äußere ankommt. Präsentation wird - auch in der Schule - großgeschrieben. Doch was ist, wenn der Lack abblättert? Was ist, wenn die schönen Farben verblassen? Ein weiterer Blickfang an so einem Mountainbike ist die Federung. Die Stoßdämpfer stecken jedes Schlagloch weg, damit geht es butterweich über Stock und Stein. Das habt Ihr in Euren 13 oder 14 Lebensjahren wohl meist ähnlich erlebt? Eure Eltern haben vieles für Euch abgefedert und fast alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt. Ihr habt meistens bekommen, was Ihr wollt: Das neue Handy, CDs, Computerspiele, Taschengeld, Kinokarten – ein Hobby, das von Euren Eltern unterstützt wird - im Hotel Mama ist "all inklusive" selbstverständlich.Doch keiner kann sich ein Leben lang bequem auf andere verlassen. Es gibt keinen Stoßdämpfer, der alle Rückschläge abfedert. Das wäre schön, wenn ich Euch das heute Morgen versprechen könnte. Aber so läuft es weder auf dem Fahrrad noch im wirklichen Leben ..."
Der letzte Vergleichspunkt waren die Kettenblätter der Schaltung. Pfarrer Boch wußte noch, wie stolz er auf sein erstes Dreigangrad war. Heute sind 21 Gänge und mehr das Normale. Diese Entwicklung ist ein Abbild für unsere Leistungsgesellschaft. Überall müssen wir einen Zahn zulegen, jeder wird gezwungen, einen Gang höher zu schalten. Niemand merkt das brutaler als Jugendliche. Da kommt der Berufsberater und sagt: Du brauchst gute Noten,

Ein Fahrrad kann uns viel sagen

sonst wird das nix mit der Lehrstelle. Jahr für Jahr werden die Anforderungen höher geschraubt. Doch auf dem Weg zu immer mehr Leistung bleiben manche auf der Strecke. Viele verpassen sich dann am Wochenende die Dröhnung, damit sie den Stress vergessen können, kiffen sich zu und saufen … Wie lange können wir uns diesen Leistungsdruck noch leisten? Schalten wir noch einen Gang höher - oder strampeln wir schon im Leerlauf?, so fragte Pfarrer Boch.
Ein Fahrrad hat also etwas über uns, über das Leben, zu sagen. Aber das sollte an diesem Tag nicht alles sein.
Die Konfirmandengruppe

Es wäre ja traurig, würde man in der Kirche nur das hören, was sowieso schon jeder weiß. - Nein, das Mountainbike kann uns helfen – nicht nur das Leben ganz allgemein – sondern auch das „Leben als Christ, als Christin“ besser zu verstehen. Das erste: Radfahren ist keine hohe Kunst.
Auf dieses Bike kann jeder aufsteigen und losfahren, wenn er das Radfahren mal gelernt hat. So ist es auch mit dem Glauben:
Wer sich für Gott interessiert, braucht nicht erst lange üben und trainieren. Da muss ich nicht perfekt ausbalanciert sein wie auf einem Einrad. Da kommt es nicht darauf an, jede Schwäche nach links oder nach rechts krampfhaft zu vermeiden. Der Glaube hat zwei Räder, als Christ werde ich doppelt gehalten. Das Vorderrad ist der Kontakt zu Gott, im Gebet, im Lesen und Verstehen

der Bibel. Das Hinterrad ist die Gemeinschaft mit anderen Menschen, das Miteinander der Christen in der Kirche. Auf diesen beiden Rädern ist der Glaube unterwegs. Beides gehört zusammen: Gott im Himmel und wir unten auf der Erde. Die Beziehung zu Gott ist wichtig und die Beziehung zu den Menschen, mit denen ich unterwegs bin auch. Beide Beziehungen sind wichtig und beide gehören zusammen - wenn eins davon fehlt, fährt das Rad nicht.
Bei einem Fahrrad ist dabei der Lenker immer am Vorderrad - und auch das hat was zu sagen: Die Beziehung zu Gott gibt unserem Leben die Richtung. Warum machen wir es dann manchmal umgekehrt? Niemand steuert ein Fahrrad mit dem Hinterrad - doch wie oft lassen wir uns von anderen Menschen lenken und leiten ... Wer mit der Masse mitrollt, ist nicht automatisch auf dem richtigen Weg, meinte Pfarrer Boch. Er fragte die Konfirmandengruppe nach dem ersten Gebot: "Ich bin der HERR, dein Gott." - Unser Leben gehört zu Gott. Wir sollen hören, was er zu sagen hat. Denn wir Menschen sind nicht das Maß aller Dinge. Was wir sind und was wir haben an Begabungen und Fähigkeiten, verdanken wir doch nicht uns selbst. Keiner von uns hat sich selbst geschaffen. Gott hat uns ins Leben gerufen. Er will, dass unser Leben gelingt. Er schenkt uns seine Liebe.
Und dann stellt sich doch die Frage: Lassen wir unser Leben von Gott, vom Glauben an ihn lenken?
Die Eltern singen ein Segenslied

Noch manches ist an diesem Mountainbike dran, was eine Bedeutung für das Christsein hat.
Ganz wichtig bei einem Fahrrad sind die Bremsen. Wir brauchen sie, damit wir sicher ankommen. - - Wer mit Gott lebt, der weiß, dass wir uns von der Liebe leiten lassen sollen. Die Liebe zu Gott – die Liebe zu unseren Mitmenschen – und die Liebe zu uns selbst. Und deshalb:
Brems' dich, wenn Du keine Zeit für Gott hast – wenn dir alles andere wichtiger ist.
Brems’ dich, wenn Du lügst, wenn Du nur deinen eigenen Vorteil siehst.
Brems’ dich, wenn du neidisch bist, eifersüchtig, egoistisch.
Brems’ dich, wenn Du nicht mehr auf der Suche nach dem Sinn bist, sondern in Gleichgültigkeit versinkst.
Brems’ dich, wenn du dich selbst nicht leiden magst … Gott liebt dich!

Ein Radfahrer, der im richtigen Moment bremst, vermeidet Unfälle. Genau das will die Orientierung am Gebot der Liebe erreichen, damit wir sicher zum Ziel kommen. Denn der Lebensweg ist nicht immer eine Einbahnstraße zum Glück. Es gibt Streckenabschnitte, die mühsam sind, wo wir in Schwierigkeiten geraten. Der Glaube will helfen, dass wir dann dennoch gut ankommen.
Manuel und Yannik z.B. hätten dann sicher nicht als Konfirmationsspruch Psalm 91,11 ausgewählt, in dem es heißt: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten, auf allen deinen Wegen.“
Nur, wenn ein Fahrrad ohne Bremsen und ohne Lenker fährt, dann haben es sogar Gottes Engel schwer.
Noch etwas: Am Lenker ist ein Scheinwerfer angebracht. Wenn es dunkel wird, wenn Angst nach uns greift, dann leuchtet Gottes Licht. Der Konfirmationsspruch von Florian Remiger lautet: "Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben".
Das ist Gottes Versprechen. Er sagt uns zu: „Ich komme rein in deine Dunkelheiten. Bei mir gibt es Vergebung für deine Schattenseiten. Ich lasse dich nicht im Stich. Dein Leben kann hell und froh werden.“ Wer glaubt, dem zeigt Gottes Licht den Weg.
Noch ein allerletztes:
Das Fahrrad hatte Pfarrer Boch bei seinem Sohn ausgeliehen. Und er hat zu ihm gesagt „auf keinen Fall putzen. Bring’ es so, wie es ist“ So ein Mountainbike wurde nicht gebaut, um irgendwo in der Ecke zu stehen. Sondern wir sollen uns in den Sattel schwingen und losfahren. Genauso ist es auch mit dem Glauben. Christsein ist keine theoretische Sache nach dem Motto "Ja, ja, ich weiß das mit Gott, ich habe die Geschichten von Jesus gelesen ..." Sondern Glaube lässt sich nur erleben. Ich muss das Vertrauen zu Gott wagen.
Also - Das Fahrrad des Glaubens steht bereit.
Mit der Taufe wurden die Konfirmanden in den Sattel gesetzt, im Konfirmandenunterricht haben Pfarrer Matthias Boch und Robin Gamer versucht, ihnen das Fahren ein wenig beizubringen.
"Jetzt lasst das Fahrrad des Glaubens nicht in einer Ecke verrosten! Heute geht's los! Ich wünsche Euch eine gute Fahrt durch Euer Leben", gab Pfarrer Boch den Jugendlichen mit auf den Weg.

 

 

          Seitenanfang