Evangelische Kirchengemeinde Liedolsheim

Veranstaltung des Diakoniefonds – Krankenpflegeverein - der Evang. Kirchengemeinde Liedolsheim
am 21. November 2003

Was kommt nach dem Tod?
In der Woche vor dem Ewigkeitssonntag veranstaltete der Diakoniefonds bereits im 3. Jahr einen Informations- und Diskussionsabend zu dem Thema Tod und Trauer. In diesem Jahr hat sich der Vorbereitungskreis dem schwierigen Bereich „Gibt es ein Leben nach dem Tod? / Wo sind unsere Toten? / Was heißt Ewiges Leben?“ gestellt. Im Vorfeld des Abends fand eine kleine Umfrage in verschiedenen Kreisen der Kirchengemeinde statt, die einen Rücklauf von immerhin 43 Fragebögen ergab. Pfarrer Matthias Boch hatte Moderation und Referat übernommen. Er berichtete einleitend aus der Umfrage, dass praktisch alle Teilnehmer eine Hoffnung auf ein „Danach“ haben und sich Gedanken machen, was nach dem Tod kommt. Da die weit überwiegende Zahl der Teilnehmer an der Umfrage, als auch der ca. 80 Besucher der Abendveranstaltung am 21. November persönliche Erfahrungen mit dem Tod in der eigenen Familie oder im engsten Freundeskreis haben, ist dieses Thema von höchster Aktualität.
Nach dem anrührenden Musikstück „tears in heaven“ (Tränen im Himmel) von Eric Clepton wurden von Evelyn Oberacker ausgesuchte Texte und Gedichte vorgetragen. Sie hatten den Tenor „Leben über den Tod hinaus“, „die Verstorbenen sind nur durch eine Wand oder die „Seite der Straße“ von uns getrennt“ und sprachen von der christlichen Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.
Ausgehend von dem vor 500 Jahren von Hieronymus Bosch gemalten Bild „der Aufstieg ins himmlische Paradies“, wo schwerelos scheinende Menschen aus dem Dunkel der Erde mit frohem Gesicht in das himmlische Licht aufsteigen, wo sie von einem Engel empfangen werden, zeigt Pfarrer M. Boch verschiedene biblische Aussage zu dem auf, was nach dem Tod kommt. Eine zentrale Aussage dabei ist, dass Gott Zukunft und Ziel für Christen ist und das menschliche Wesen aus Leib und Seele besteht. Er wies hin auf die früher im Glaubensbekenntnis enthaltene Aussage von der „Auferstehung des Fleisches“. Jesus selbst lehnt jedoch Spekulationen über die Form der Auferstehung ab; jedenfalls ist eine radikale Verwandlung zu erwarten, bei der jedoch die Identität der Persönlichkeit bestehen bleibt. Gott ist aber ein Gott der Lebenden und der Toten, und damit sind auch die Verstorbenen mit ihm verbunden. Mit ihrem Leib sind sie in das Geheimnis Jesu eingeschlossen, der dem einen Mitgekreuzigten den sofortigen Eingang in das Paradies zugesagt hat. Mit konkreten Erklärungen zu Einzelheiten stößt unser Verstand aber an seine Grenzen.
In einer sehr offenen Fragen- und Diskussionsrunde wurden verschiedene Punkte angesprochen. So wurde eine bloße „Erinnerung“ durch Gott oder gar durch Menschen als Form des Weiterlebens als „zu wenig“ bezeichnet; für Viele gibt es eine konkrete Hoffnung über den Tod hinaus. Sehr intensiv ging es um die Frage, ob nicht im Glauben verstorbene Menschen vom ewigen Leben ausgeschlossen sind. Obwohl die Bibel einerseits die Aussage enthält, dass es eine ewige Trennung von Gott geben kann, ist andererseits nicht vorstellbar, dass der liebende Gott Menschen dauerhaft verwirft. Der Bibel gemäß wurde aber auch auf das Gericht hingewiesen, durch das wir Menschen hindurch gehen müssen. Auch ein Hadern oder gar Anklagen von Gott, der für Menschen Verluste und schweres Leid zulässt, ist biblisch und bedeutet nicht Trennung von Gott, sondern zeigt gerade Beziehung zu ihm auf. Hier ist es allerdings schwierig, Antworten für Andere geben zu wollen, vielmehr ist Bescheidenheit und Zurückhaltung angesagt. Dies führte zu der abschließenden Erkenntnis, dass manche Fragen erst zu einem späteren Zeitpunkt beantwortet werden können. Die noch lange Zeit andauernden Einzelgespräche zeigten eine große Zustimmung zu dem Gehörten auf und sind Veranlassung, mit ähnlichen Veranstaltungen das Thema fortzusetzen.
Reiner Oberacker

 
 
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