Sehr geehrter Herr Bürgermeister Hillenbrand, sehr geehrter
Herr Pfarrer Boch,
sehr geehrter Herr Israel, meine sehr geehrten Damen und Herren,
es ist ein besonderer und zugleich ein schöner Anlass,
der uns heute zusammenführt, nämlich die Einweihung
der Gedenkmauer auf dem Friedhof hier in Liedolsheim.
Dass wir sie gerade heute einweihen, hat für mich auch
ein Stück symbolischen Charakter. Denn nächste Woche
beginnt der November.
Und sein alter deutscher Name lautet sehr vielsagend: Totenmonat.
Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag
sind die Gedenktage, die im Monat November gefeiert werden.
Doch offizielle Gedenktage sind eine Sache, die andere ist
das persönliche Gedenken, die persönliche Erinnerung
an die Verstorbenen, die für die Menschen wichtig und
wertvoll ist.
Dafür jedoch ist in unserer Gesellschaft, in unserer
schnelllebigen Zeit, kaum Platz. Der Gedanke an den Tod wird
meistens verdrängt. Nicht umsonst ist der November der
unbeliebteste Monat und das liegt bestimmt nicht allein am
schlechten Wetter.
Hier in Liedolsheim hat man dieser Entwicklung entgegengewirkt
und einen ganz besonderen Raum geschaffen. Ich sage ganz bewusst
Raum, da ich schon bei der ersten Begegnung die Gedenkmauer
und den schön gestalteten Platz im Schutz der hohen Kirchenfassade
als einen Raum empfunden habe.
Nur wenige Schritte von der Hauptstraße entfernt, erscheint
er doch fernab vom geschäftigen Alltag, als ein Ort der
Stille – als ein Ort der Besinnung.
Hier haben nun die Namen lange Verstorbener und mit ihnen
die Erinnerung an sie einen festen Platz. Und ich bin sicher,
in einer Dorfgemeinschaft, wie sie hier in Liedolsheim besteht,
werden sehr viele Menschen die Namen kennen und gerne an die
Verstorbenen zurückdenken. Denn hinter jedem Namen steht
ein ganzes Leben und mit seinem Namen lebt auch der Mensch
in der Erinnerung weiter.
Diese Überzeugung ist tief verwurzelt und allen Kulturen
eigen.
So sagt ein orientalisches Sprichwort: (ich zitiere)
„Der ist nicht wirklich tot, der einen guten Namen hinterlässt.“
Über das Gedenken hinaus, lädt dieser Ort aber
auch dazu ein, inne zu halten, zur Ruhe zu kommen oder sich
ganz allgemein mit dem Sinn des Lebens zu beschäftigen.
Anregung dazu gibt die bildliche Darstellung des Künstlers
Dietmar Israel.
„Neues Werden“ ist ihr Titel. Sie symbolisiert
den Kreislauf des Lebens und ist damit ein Bild der Vergänglichkeit
aber zugleich auch ein Bild der Hoffnung.
Zu dieser Vorstellung, zu diesem Bild passen auch die Buchsbäumchen
hier auf dem Platz. Während ringsum die Natur vergeht,
bleiben sie grün und sind daher, wie alle immergrünen
Pflanzen, seit alters her ein Symbol für das ewige Leben.
Meine Damen und Herren,
gerade aufgrund der vielschichtigen Bedeutung dieses neu gestalteten
Ortes haben wir, und damit meine ich die Kulturstiftung der
Sparkasse Karlsruhe, den Vorschlag von Herrn Bürgermeister
Hillenbrand, diese gute Idee zu unterstützen, sehr gerne
und auch überzeugt aufgenommen.
Der Zweck der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe, nämlich
die Kunst und Kultur sowie die Denkmalpflege und damit letztlich
auch die Lebensqualität der Menschen in unserem Geschäftsgebiet
zu fördern, wurde mit dieser Gedenkmauer, in besonders
gelungener Art und Weise verwirklicht.
Wie meistens im Leben braucht es zur Verwirklichung einer
guten Idee viele Helfer. So auch hier. Neben der Kunst an
der Friedhofsmauer haben für die Platzgestaltung zahlreiche
Menschen und Institutionen mit Spenden und Unterstützung
zum Gelingen beigetragen.
Ihnen allen gilt heute unser Dank. Besonders bedanken darf
ich mich bei den Vertretern der Gemeindeverwaltung sowie der
Kirchengemeinde. Von der ersten Anfrage bis zur Umsetzung
war die Zusammenarbeit stets beispielhaft und harmonisch.
Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, und allen Besucherinnen
und Besuchern der Gedenkmauer wünsche ich, dass dieser
Ort ein Raum der Besinnung und ein Raum der Ruhe für
sie sein wird, ein Ort, der ihnen Trost und neue Kraft spendet.
Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit. |