Evangelische Kirchengemeinde Liedolsheim

Am Donnerstag, den 5. Oktober fand in der Johanneskirche in Ettlingen ein Vortragsabend
mit Pater Anselm Grün aus Münsterschwarzach statt.
Das Thema des Abends lautete: "Leben aus dem Tod".

Pater Anselm Grün begann seine Ausführungen damit, wie andere Menschen mit dem Wissen um den Tod umgingen.
Der Heilige Benedikt mahnte seine Mönche, sich den Tod täglich vor Augen zu halten, denn dies befreit von der Angst. Mozart nannte die Beschäftigung mit dem Tod den Schlüssel zur Glückseligkeit.
Eigene und von anderen gemachte Erfahrungen ließen Pater Anselm sagen, der Tod verstärkt das Leben. Ein langes Leben ist nicht selbstverständlich, dies sollte man sich immer wieder bewusst machen. Das bedeutet auch, bewusst machen was es heißt, ich atme, ich schmecke, ich höre. Den Geschmack des Lebens entdecken!

Die Verheißung auf das Ewige Leben verbindet jetzt schon Zeit und Ewigkeit.
Der französische Philosoph Gabriel Marcel sagte: "Lieben heißt, du wirst nicht sterben". Es gibt Worte die den Tod überdauern.
Leben aus dem Tod heißt, sich auch bewusst machen, dass die Möglichkeit besteht, jederzeit zu sterben.
Dabei ist es gut ein Symbol oder Bild von dem zu machen was kommt, mit dem was ist. So kann das Aufstehen am Morgen ein Symbol für die Auferstehung nach dem Tod sein. Jesus hat, angesichts seines eigenen Todes, ein Zeichen gesetzt mit der Fußwaschung.
Was für Zeichen würde ich setzen? So fragte Pater Anselm Grün. Für sich konnte er sagen, dass er nicht alles hineinpacken will, was er noch nicht getan hat, sondern alles bewusster tun will. Menschen bewusster begegnen, die er auch, in neuer Weise, in der Ewigkeit treffen wird.

Wer eins mit Gott ist, ist auch eins mit dem ewigen Leben.
Wir können also sagen, der Tod verstärkt das Leben.
Im Tod müssen wir alles loslassen. Wirkliches Leben, heißt im Augenblick leben. Das Wissen, sterben zu müssen, ist auch Mahnung, uns jetzt schon darauf einzuüben. Im Abendmahl erinnern wir uns immer wieder an Jesu Tod und somit auch an unseren. Wir üben loszulassen, Menschen, Erfolge, eigenes Ego.
Die Angst vor dem Sterben ist meist auch eine Angst hilflos zu sein.
Wie werde ich sterben? Werde ich anderen ausgesetzt sein? Es gibt keine Garantie dafür, dass unser irdisches Ende "einfach" sein wird. Aber auch das sollten wir loslassen. Pater Anselm forderte die Zuhörer auf, es Gott zu überlassen, wie unser Ende sein wird. Es ist letztendlich auch egal, wie wir uns da verhalten. Fromm zu sein bedeutet nicht, nicht zu scheitern oder schwer krank zu werden. Wir dürfen uns in Gottes Hände fallen lassen, ohne etwas vorweisen zu müssen.
Vielleicht plagt aber manche gerade die Angst, nicht genügend vorweisen zu können, nicht gut genug gelebt zu haben. Bilder von Gericht, von Fegefeuer tauchen auf.

Was meint die Bibel mit Himmel, Fegefeuer und Hölle?
Der Himmel bedeutet für uns, in Gottes Liebe angenommen zu sein. Das Fegefeuer ist ein Bild für die Läuterung durch Gott. Im Erkennen von Gott erlebe ich vielleicht, dass ich an ihm vorbeigelebt habe. Wenn ich allein meine leeren Hände Gott entgegenstrecke erfahre ich seine Liebe, seine Vergebung.
Ein Mensch der nur kontrolliert lebt, lebt jetzt schon in der Hölle. Wer nur an sich selbst festhält und sich gegen Gott entscheidet, wählt die Hölle.
Im Tod werden wir der Wahrheit begegnen. Dann wird die Entscheidung letztendlich fallen, ob wir Gottes Liebe annehmen oder auf uns bauen wollen. Eins ist aber auch gewiss, die Schuldigen werden nicht über ihre Opfer triumphieren.
Dies sind Erklärungsversuche, die letzte Wahrheit ist im menschlichen Leben Geheimnis, wir können nichts letztendliches sagen, aber über Erkenntnisse auch nicht schweigen.

Wie sollen wir die Auferstehung verstehen wenn jemand gestorben ist?
Der Leib verwest, das wissen wir. Bei der Auferstehung hoffen wir aber alles, was diesen Menschen ausmachte wieder zu treffen, nur ausgereift, vollkommen. Die Seele sagt nicht alles aus über uns, wir machen Erfahrungen auch über den Leib. Ohne ihn könnte ein Mensch keine Beziehung zu anderen bekommen. Wir werden also vollständig hinübergehen. Pater Anselm gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass wir uns vollständig und mit allem Wissen wiedersehen, wenn wir auch jetzt noch nicht wissen wie das geschehen wird.

Trotz des Glaubens an eine Auferstehung tut Abschied nehmen sehr weh. In der Trauer kommen auch unaufgearbeitete Konflikte hoch, denn das Leben läuft nicht immer glatt. Es fällt den Zurückbleibenden ein, was vergessen wurde zu sagen, wo sie schuldig wurden.
Wie kann man mit solchen Schuldgefühlen umgehen?
Vieles kann man jetzt nicht mehr auflösen, aber Trauernde sollten nicht anfangen sich nur selbst zu beschuldigen. Nicht sagen, "hätte ich dies oder das getan" oder "dies und das habe ich versäumt". Es war so wie es war, man braucht jetzt nichts zu entschuldigen, sondern das Hindernis darf Gott hingehalten werden. Der Verstorbene ist im Frieden, denn er ist jetzt bei Gott und da will er, dass wir leben. Wir dürfen Belastendes loslassen. Es ist Illusion zu glauben das ganze Leben mit weißer Weste leben zu können. Demütig und gelassen wird, wer die eigene Wahrheit aushält und seine Schuld annimmt. Sie kann zu "glücklicher Schuld" werden, wenn wir sie bei Gott abgeben. Dann kann eine neue Beziehung zum Verstorbenen aufgebaut werden.
Dies wird von manchen in Träumen erfahren. Solche Träume können eine Hilfe im Trauerprozess sein. Bestimmte Zeitpunkte können dabei besonders intensiv erlebt werden, es muss aber nicht so sein. Nach 6 Wochen oder 40 Tagen werden in verschiedenen Weltanschauungen als besondere Einschnitte angesehen. Wir wissen darüber nichts Genaues und es gibt Träume von längst Verstorbenen. Wenn es dem Toten darin nicht gut geht, sollten wir nachdenken, ob noch etwas zu bereinigen ist.

Jeder Verstorbene nimmt einen Teil der zurückbleibenden Angehörigen mit. Damit ist ein Teil von uns schon bei Gott. Pater Anselm bat die Zuhörer, sich einen Wanderer vorzustellen, der einen Bach überqueren will. Damit er den Sprung leichter schafft, wirft er seinen Rucksack voraus. Je mehr Menschen die wir lieb haben, gestorben sind, um so mehr ist schon von uns bei Gott.

Die Erinnerung und das Gebet für Verstorbene sollte sich nicht ängstlich darum drehen, dass der Verstorbene zu Gott kommt, sondern als Erinnerung der Beziehung verstanden werden. Er oder sie ist jetzt bei Gott und wir können spüren, wir sind nicht allein.
Im Abendmahl haben wir jetzt schon teil an der Unsterblichkeit und der Ewigkeit. Unser Leben wird eins mit Gott. Wir feiern die Überwindung des Todes.

Abschied zu nehmen, dürfen wir niemand verwehren. Es ist nicht richtig, Kinder bewahren zu wollen. Wenn sie es möchten, sollten auch sie die Möglichkeit haben Abschied vom Toten zu nehmen. Gut ist es wenn Rituale gefunden werden, auf dieser Erde sich zu verabschieden. Die Beziehung wird anders werden. Der Trauer soll Raum und Heimat gegeben werden.

Wie ist das Leben, das uns erwartet?
Keiner war je über der Schwelle. Alles was wir sagen können ist Verheißung, nicht letzte Gewissheit.
Es ist uns verheißen, dass wir Gott schauen werden, nicht wie wir jetzt jemand anschauen, sondern wir werden ganz vereint sein. Es wird die Erfüllung all unserer Sehnsucht sein. Alles was wir hier erfahren können, ist nur ein Abbild. Wir können uns hier schon vorbereiten, obwohl wir, wie schon gesagt, keine Gewissheit haben wie wir es antreffen werden. Gott ist der ganz Andere. Aber Paulus sagt im Römerbrief, "nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus ist, unserem Herrn".
Vorbereitung auf das Sterben können die kleinen Tode im Leben sein, wenn uns etwas genommen wird, Menschen, Wünsche, Hoffnungen, Erwartungen. Es gibt kein Scheitern ohne Neues. Vorbereiten kann sein, sich vom Leistungsdenken zu befreien. Wir wollen immer etwas vorweisen, aber wir können nichts mitnehmen, sondern nur unsere offenen Hände Gott hinhalten.

In der Sterbebegleitung ist es notwendig mit dem Sterbenden Angst auszuhalten und auch zu Trauern um nicht gelebtes Leben. Es kommt aber auch darauf an, worauf ich selber hoffe.
Gut wer sagen kann: "Ich weis, dass mein Erlöser lebt".

Das Wissen, dass etwas in die Ewigkeit reicht, befreit vor dem etwas erreichen zu müssen.
Wir werden Liebe sein und Gottes Liebe an uns erfahren.

Pater Anselm Grün forderte die Zuhörer auf, bewusst zu leben und jeden Augenblick zu genießen. Er wünschte zum Schluss seines Vortrags, dass wir das Leben schmecken und erleben was es heißt zu spüren, zu tasten und zu schmecken.

Im Anschluss an den Vortrag konnten noch Fragen gestellt werden.
Dabei wurde noch einmal die Zeitspanne zwischen Tod und Gericht angesprochen. Pater Anselm machte noch einmal deutlich, dass er davon überzeugt ist, dass der Tote, innerhalb kurzer "Zeit" Gott begegnet. (Zeit ist etwas irdisches und wird dann aufgehoben sein.)
Wer schlecht gelebt hat, wird nun um so schmerzlicher seine eigene Wahrheit erleben. Wer dann Gott traut, wird gerettet. Die Begegnung mit Gott wird ein Läuterungsprozess sein. Wie lange dies dauert wissen wir nicht. Aber im Tod kommt für einen Menschen die Welt zum Ende, darum ist für ihn dann der jüngste Tag.

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