|
Am 23.
Juli 2000 fand im Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe-Rüppurr
ein Fachtag der AG Altenheimseelsorge zum Thema Sterbe-
und Trauerbegleitung im Pflegeheim statt.
Dieser Tag war nicht nur für professionelles Pflegepersonal
wertvoll, sondern für jeden hilfreich, der einmal mit
einem Sterbenden konfrontiert wird. Da spätestens beim
eigenen Sterben dies der Fall sein wird, richten sich die
weitergegebenen Erfahrungen an Jeden.
Stellvertretend für die verschiedenen Hilfestellungen
des Tages soll hier über einen Vortrag von
Prof. Dr. Christoph Student. Er ist Facharzt für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und seit
1997 Gesamtleiter des Hospizes Stuttgart.
Prof.
Student begann seinen Vortrag über Sterbe- und Trauerbegleitung
zunächst mit der Feststellung,dass knapp 20% der Menschen
ihr Leben zu Hause, 50% im Krankenhaus und ca. 30% im Pflegeheim
beenden.
Jeder Mensch hat Angst vor dem Tod und dies ändert sich
nicht wesentlich im Laufe des Lebens, man kann mit der Zeit
nur vielleicht besser damit umgehen.
Ein Instinkt,
unser Überlebenswillen, läßt uns am Leben hängen.
Dies läßt uns z.B. bei Bedrohung ums Überleben
kämpfen.
Der Mensch hat die Fähigkeit vorauszudenken "ich werde
sterben".
Diese beiden Pole erzeugen Angst, wenn sie aufeinandertreffen.
Dies wiederum führt zu Aggression oder Flucht.
Aus diesem
Grund ist der Umgang mit Alten und Sterbenden oft recht ruppig
und unbarmherzig. Das ist auch manchmal die Ursache für
einen Wechsel ins Alters- oder Pflegeheim, mit sehr seltenen
Besuchen der Angehörigen.
Früher
hatte man für solche Grenzsituationen des Lebens Rituale.
Zwei Merkmale waren:
das Verhalten
in der Situation war vorgeschrieben und
Andere konnten
Anteil nehmen, es geschah zum Teil öffentlich.
Ein wesentlicher
Teil der Sicherheit ging im Laufe unseres Jahrhunderts verloren,
indem Rituale abgebaut wurden.
Eine Emnid
Umfrage aus dem Jahr 1996 sagt zu der Frage: "Wie wollen
sie sterben":
62% gaben an unerwartet
14% möchten vorbereitet sein
23% haben keine Meinung
1% machten keine Angabe.
Prof.
Student kam im weitern Verlauf des Vortrags auf die spezielle
Situation der Hospizbewegung zu sprechen. Hiebei werden Sterbende
und Trauernde ins Zentrum des Geschehens gestellt. Man orientiert
sich an den Bedürfnissen des Sterbenden.
Wir alle
sind Sterbende!
Was wünsche ich mir, wenn ich an mein eigenes Sterben
denke. Dies beschäftigte die Zuhörer jetzt einige
Zeit, auch im Gespräch mit dem Sitznachbar.
Es gibt im
wesentlichen vier Gruppen von Wünschen:
- eine vertraute Umgebung
- ohne Schmerzen sterben
- das Leben soll anständig beendet werden, Dinge sollen
zu Ende gebracht werden können
- mit dem Sinn auseinandersetzen dürfen. Was kann ich
jetzt noch glauben, was hält jetzt noch Stand? ( Über
das Zerbrechen von Hoffnungen und Wünschen soll gesprochen
werden dürfen ).
Die meisten Menschen denken, im Pflegeheim kann man nur alleingelassen
sterben. Aber wenn wir mit Liebe auf eine Institution oder
Menschen schauen, können wir etwas verändern.
1. Qualitätsmerkmal eines Hospizes
Sterbende und seine Angehörige sind gemeinsame Adressaten
des Hospiz-Dienstes.
Die Angehörigen benötigen nicht weniger Aufmerksamkeit
und Fürsorge als der Sterbende.
In einem
Pflegeheim soll es keine Sonderstation für Sterbende
geben (eine Verlegung erhöht die Wahrscheinlichkeit des
Sterbens).
Angehörige müssen von selbst kommen, sie können
"gelockt" werden, sie sollen merken dass man sie
benötigt, aber mehr kann das Pflegepersonal nicht tun.
2.
Qualitätsmerkmal eines Hospizes
Unterstützung
der Familie durch ein interdisziplinär arbeitendes
Team ( Arzt, Krankenschwester, Sozialarbeiter, Seelsorger
u.a. ).
3.
Qualitätsmerkmal eines Hospizes
Einbeziehung
freiwilliger Helfer/innen
Sie dienen
der "Entprofessionalisierung" der Sterbebegleitung
und tragen zur Integration des Sterbenden und seiner Angehörigen
in das Gemeinwesen bei. Voraussetzung ist auch bei ihnen eine
sorgfältige Ausbildung.
4.
Qualitätsmerkmal eines Hospizes
Spezielle
Kenntnisse in der Symtomkontrolle.
Das Hospizteam
weiß um:
- Schmerzbekämpfung ( Kenntnisse und Erfahrungen
über die medizinischen Möglichkeiten )
- soziale, psychologische und spirituelle Dimensionen
körperlicher Beschwerden
Die Morphintherapie ist in Deutschlandin den letzten Jahren
angestiegen, jedoch im Vergleich mit anderen Ländern
sind wir aber immer noch ein "Entwicklungsland".
Deutschland rangiert im Vergleich mit anderen Ländern
an 15. Stelle bei der täglichen Morphingabe. (Angaben
je g auf 1Mill. Einwohner) Hier einige Beispiele:
Dänemark
206 g
Schweden
und Island 102g
GB
86 g
Frankreich
54 g
Belgien
24 g
Deutschland
17 g
Es muss aber auch bedacht werden, dass intensive Schmerzen
auch seelische Ursachen haben können, die nicht mit
Schmerzmittel behoben werden können. Hier ist der Seelsorger
gefragt.
5. Qualitätsmerkmal eines Hospizes
Kontinuität der Betreuung ist gewährleistet.
Das Hospizteam steht 24 Stunden täglich und 7 Tage in
der Woche zur Verfügung. Das gilt auch für Zeiten
der Trauer.
Es ist
notwendig, dass auch in Pflegeheimen Trauergruppen entstehen.
Mehr Gesundheit in unserer Gesellschaft wird durch eine
gute Trauerarbeit erreicht!
|