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Abschied
vom Beruf
Zu diesem Thema waren Interessierte am 17. Juli 2000 im Rahmen
der Vortragsreihen von Treffpunkt Glaube und Leben eingeladen.
Als Referent des Abends konnten wir Herrn Oberkirchenrat i.R.
Klaus Baschang aus Neureut gewinnen.
Zunächst berichtete uns Herr Baschang von einem Freund,
der als Manager in einer großen Firma vor ein paar Jahren
in den Ruhestand wechselte. Die Firma bereitete die zukünftigen
Rentner mit ihren Ehefrauen in einem 14tägigen Seminar
auf diesen neuen Lebensabschnitt vor. Sie sollen im Ruhestand
ankommen und nicht durch immer wiederkehrendes Erscheinen
im Betrieb den sich verändernden Ablauf "stören".
Warum zieht es manche wieder an ihren alten Arbeitsplatz oder
was lassen wir zurück wenn wir aus dem Erwerbsleben ausscheiden?
Gründe können sein:
- Die
sozialen Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen und zu Kunden
und Kundinnen
- Das
finanzielle Einkommen aus der Erwerbstätigkeit
- Die
Möglichkeit außerhalb des häuslichen Bereichs
etwas zu gestalten und dabei auch sich selbst zu verwirklichen
- Lob
und Anerkennung für Leistung im Beruf - daheim Arbeit
selbstverständlich
- Mit
der eigenen Arbeit etwas für andere zu tun und damit
einen Beitrag zum Leben in dieser Gesellschaft zu leisten.
Wir kamen
über diese Punkte ins Gespräch. Dabei waren die
Aussagen der Zuhörer, je nach eigener Empfindung, unterschiedlich.
Aber es herrschte Einigkeit darüber, dass diejenigen,
die sich im Garten und an einem Haus beschäftigen können,
sich eigene Termine setzen, nicht so viele Probleme beim Übergang
in diesen letzten Lebensabschnitt haben. Ein Land-Stadt Unterschied
wurde ausgemacht. Herr Baschang gab zu bedenken, dass dies
sicher richtig ist, solange man körperlich noch für
diese produktiven Tätigkeiten in der Lage ist. Es kommt
aber für viele auch die Zeit, in der sie "nicht
mehr so können wie sie gerne wollen".
So kamen
wir zu der Frage: Was ist der Sinn des Berufes?
- Der
Beruf bei Luther
in der Antike gab es zwei Gruppen Menschen
- freie / Künstler, Philosophen, Denker
- Handwerker, Landwirte
Die zweite Gruppe wurde als niedrig eingeschätzt.
Das Christentum hat diese Zweiklassengesellschaft verändert.
Ora et labora - bete und arbeite.
Dies kommt aus dem frühen Mönchtum, wobei es aber
auch da zwei Schichten gab:
obere - Geistliche, Priester, Mönche
untere - Nichtgeistliche
Luther demokratisierte die Berufswelt indem er sagte:
Wer einen Beruf ausübt, egal in welchem Stand, macht
zweierlei
-
er dient dem Nächsten, hilft dass andere leben
können
- er
schafft Werte und hat damit Teil am schöpferischen
Handeln Gottes
Dies
hat die deutsche Gesellschaft stark geprägt, moderne
Arbeitsethik ist davon abgeleitet.
- Berufsprobleme
in der Neuzeit
- Arbeitsteilung
War früher die handwerkliche Fertigung üblich,
so wurde dies ab dem 19 Jahrhundert durch die industrielle
Fertigung abgelöst. Damit einher gab es einen enormen
sozialen Fortschritt, aber auch Probleme, da die Arbeit
am Fließband mehr Stress und Eintönigkeit
mit sich brachte.
- gegenseitige
Abhängigkeit
Nicht nur am Fließband ist, bei der Akkordarbeit,
Einer vom Anderen abhängig, auch die Lagerhaltung
wurde auf ein Mindestmaß reduziert, es muß
"just in time" geliefert werden.
- die
eigenen Leistungen bleiben unsichtbar
Wird an einem Produkt nur noch von jedem Arbeiter ein
kleines Teilstück angefertigt oder zusammen montiert,
wird auch der Stolz auf das Produzierte und die eigene
Arbeit geringer. Somit orientiert sich das Denken mehr
am Geld, als Leistungsbestätigung.
- das
Verhalten im Beruf bestimmt auch das Verhalten in der
Freizeit
Was nicht mehr an Befriedigung im Beruf erlebt wird,
projeziert man jetzt auf den Urlaub. Dabei sind die
Auswahlmöglichkeiten bei den Freizeitangeboten
so vielfälltig, dass ein Stress des Wählens
entsteht.
Muse und Ruhezeiten, sich mit sich selbst beschäftigen,
unabhängig von äußeren Umständen
zu sein, das wird weniger oder kommt ganz abhanden.
Wer ein Leben lang durch Fremdeinteilung sein Leben bestimmen
lies, hat Probleme wenn er im Ruhestand seine Zeit selbst
einteilen soll.
Im Ruhestand Termine zu haben sagen, "ich werde noch
gebraucht". Das tut gut, engt aber auch ein.
Musestunden müssen evt. erst gelernt werden. Solange
man arbeiten und etwas leisten kann, denkt man dass man
diese Zeiten nicht brauche. Aber es kann auch die Zeit kommen,
wo man nichts mehr tun kann. Darum ist es gut Ruhezeiten
einzuplanen und einzuüben.
Herr Baschang machte zwei wichtige Erfahrungen im Ruhestand
- zu
Beginn kam eine große Freude auf, Dinge tun zu
können, die früher nicht möglich waren.
Dabei sich nicht antreiben lassen, tun können was
er will, ist ein gutes Gefühl.
- Er
nahm jetzt besonders wahr, wie schlimm das Alter die
Menschen verformen kann, Alter kann belastend sein.
Dies wird im Ruhestand besonders wahrgenommen, da dies
die letzte Lebensphase ist.
- Anregungen
für die Zeit nach dem Beruf
- Vernachlässigtes
aufarbeiten
Kontakte zu Freunden und Verwandten wieder aufleben
lassen. Haus und Garten (wieder) in Ordnung bringen.
- Fortsetzen
in neuen Zusammenhängen
Was bisher gemacht wurde kann vielleicht in begrenztem
Rahmen, ohne Abhängigkeiten weitergeführt
werden, z.B. Beratertätigkeiten oder Referate halten.
- im
Ehrenamt neue Kompetenz gewinnen
Das Ehrenamt hat seit dem letzten Jahrhundert zugenommen
und an Bedeutung gewonnen. Viele Dinge könnten
ohne Ehrenamtliche nicht durchgeführt werden. Bei
der Suche nach einer geeigneten Einsatzmöglichkeit
ist es aber wichtig nicht nur Menschen für spezielle
Aufgaben zu suchen, sondern auch Aufgaben für Menschen
mit ihren Begabungen. So werden auch Ruheständler
wieder gebraucht.
Der Nutzen des Ehrenamtes sollte deutlich gemacht werden.
Zum Beispiel können Beziehungen aufgebaut werden,
oder man kann für sich etwas lernen (freie Rede,
organisieren usw.)
- Vorbereitung
auf das Ende des letzten Lebensabschnitts
- z.B.
Einkehrtagung besuchen
Stille kann man üben und Ruhe aushalten können
ist nicht selbstverständlich. Am Lebensende kann
es sein, dass die Zeit ausgehalten werden muß,
sie kann nicht immer bis zum Schluß mit Aktivität
ausgefüllt werden.
- Spaziergänge
über den Friedhof und nachdenken welche Menschen
und Schicksale hinter dem Namen auf den Grabsteinen
stehen, kann eine Hilfe sein.
- Mit
Gott den Kontakt halten und beten. Dabei müssen
es nicht viele Worte sein, aber sie sollen Gewicht haben.
Mit einem Abendgebet und Segen wurde der Abend beschlossen.
Die Zeitspanne der Menschenleben ist verschieden und auch
die aktiven Möglichkeiten sind nicht immer gleich.Über
die Anregungen die Herr Baschang an diesem Abend weitergab,
kann man nie zu früh nachdenken.
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