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Ganz herzlich begrüßte Pfarrer Matthias Boch
die Anwesenden am 12. April 2003 zu einer Abendandacht
zu der Geschichte der Emmaus-Jünger und zur Eröffnung
der Ausstellung zum Thema "Emmaus - Wandlungswege
- Zukunftschancen".
Zunächst lud Pfarrer Boch die Anwesenden ein, den
Weg von Jerusalem nach Emmaus einfach einmal mit zu gehen.
"Lassen Sie sich mit hineinnehmen in die biblische
Geschichte."
Im Kirchenjahr befanden wir uns noch ganz in der Leidenszeit
Jesu – und doch ist für uns schon im Leiden
immer auch die Auferstehung im Blickfeld. Die Jünger,
die am Ostermorgen von Jerusalem nach Emmaus gingen hatten
die Auferstehungsbotschaft auch gehört, und doch
konnten sie es nicht glauben. Ihnen stand das Kreuz noch
deutlich vor den Augen. |
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(Pfarrer Boch faßte das was die Jünger damals
bewegt haben mochte in Worte und Mitglieder aus unserer
Gemeinde gingen diesen Weg nach.)
Damals, kurz nach Jesu Tod hat tiefe Trauer die Jünger
erfasst. Mit Jesus ist all ihre Hoffnung gestorben. Tot,
begraben. Und Angst haben sie. Große Angst –
dass sie selbst gefangen oder gar getötet werden.
Wundert es Euch da, dass sie es nicht glauben können,
was die Jüngerinnen erzählen, als sie von Grab
kommen: „Er ist auferstanden. Ein Engel hat es uns
gesagt.“
Auferstanden - schön wär`s. Auferstanden...
Nein, es tröstet uns nicht, wenn wir uns selber was
vor machen.“
Zwei von ihnen halten es nicht mehr aus in Jerusalem in
dem engen Raum. Sie wollen weg. Raus aus Jerusalem, wo
jeder Stein sie an den Meister erinnert. Raus aus dieser
Stadt, weg von den Menschen, die Jesu Tod wollten.
Kennst Du dieses Gefühl mitten im Leid – Du
willst fliehen vor dem, was vor Dir steht. Du kannst es
nicht einordnen, was mit Dir geschehen ist, Du bekommst
es nicht unter die Füße. Du willst es hinter
Dir lassen. Nur nicht dran denken. Weg, einfach weg. Dorthin,
wo ich glaube, Geborgenheit zu finden. Doch der Schmerz
geht mit.
Auch die beiden Jünger werden getrieben von der Sehnsucht
nach einer vertrauten Umgebung, nach vertrauten Räumen.
So gehen sie los – nach Emmaus – wo sie früher
zuhause waren.Der Tod Jesu lässt sie nicht los auf
ihrem Weg. Sie können nicht vergessen, was alles
geschehen ist. Immer und immer wieder reden sie davon.
Unterwegs kommen sie an Golgatha vorbei: Nur nicht hinschauen
– denken sie – aber das geht nicht. |
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Immer wieder müssen sie ihren Kopf wenden
und sehen die drei Kreuze auf dem kahlen Hügel
von Golgatha stehen.
Da ist er gestorben, unser Meister, unsere Hoffnung.
Wie oft habe ich das selbst erlebt –
ich möchte fliehen, möchte vergessen,
doch meine Augen sind gehalten. Ich kann die bittere
Erfahrung nicht aus dem Blick lassen, ich laufe
zwar weg, aber mein Erleben holt mich ein.
Ich komme nicht darüber hinweg, indem ich
davor fliehe.
Ich will verstehen, will begreifen – Warum?
Warum ist das geschehen? Warum mir? Warum uns?
Wo ist Gott gewesen?
Wo ist er jetzt?
Viele Fragen drängen sich den beiden Jüngern
auf. Selbst als Golgatha aus ihrem Blickfeld verschwunden
ist, können sie nicht aufhören immer
und immer wieder über den Tod Jesu zu reden.
Tränen stehen in ihren Augen.
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Da begegnet ihnen ein Fremder. Sie nehmen ihn kaum wahr
durch den Schleier ihrer Tränen. Sie kennen ihn nicht
und doch tut es gut, diese Stimme zu hören. Er schließt
sich ihnen an, geht an ihrer Seite. Er spürt ihre
Trauer, fragt nach, hört zu... ein gutes Gefühl.
Manchmal begegnet Gott uns gerade zur richtigen Zeit in
Menschen, die unsere Not wahrnehmen, die behutsam auf
uns eingehen, die fragen, und einfach nur zuhören.
Menschen, die es aushalten bei uns – die unsere
Tränen nicht übertünchen mit vielen und
klugen Worten, die uns nicht von ihren Sorgen erzählen,
sondern ganz da sind für uns.
So gehen sie zu dritt weiter und sie spüren, der
Weg wird leichter.
Und dieser Fremde zeigt ihnen Worte der Hoffnung aus Gottes
Wort. Er öffnet ihnen neue Horizonte, damit sie verstehen
können. Funken der Hoffnung beginnen in ihnen zu
glimmen.
Ihre Trauer verändert sich, sie bekommen eine Ahnung
davon, dass es besser werden kann. |
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Manchmal begegnen uns Menschen, die uns überraschend
ein gutes Wort sagen. Die uns helfen, Gottes Wort zu verstehen.
So zu verstehen, dass es in unser Leben hineinspricht.
Worte, die uns herausreißen aus festgelegten Bahnen.
Gottes Wort, das uns überrascht, das uns neue Perspektiven,
neue Wege zeigt, Auswege, Wege in die Zukunft.
Viel schneller kommen sie an ihrem Ziel an. Emmaus kommt
in den Blick.
Der Fremde möchte weiter gehen. Doch sie spüren,
dass noch etwas fehlt. Sie brauchen seine Nähe und
lassen ihn nicht los:
„Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden
und der Tag hat sich geneigt“ |
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Da ist sie wieder die Sehnsucht, dass jemand da
bleibt. Dass er es aushält mit mir in meiner
Not,
Dass er mein Leiden hört und nicht die Ohren
schließt. Dass er mir Gemeinschaft und Geborgenheit
schenkt.
Und der Fremde bleibt. Er geht mit ins Haus.
Beim Brechen des Brotes erkennen sie ihn –
Jesus, den lebendigen. „Das ist mein Leib
– für euch gebrochen.“
Mein Leib für Euch zur Vergebung der Sünden,
zur Versöhnung, ein neuer Bund zwischen Gott
und den Menschen. Heil für mich und für
dich.
Durch den Tod zum neuen Leben. |
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Plötzlich ist ihnen die Botschaft der Frauen nicht
mehr so fern, nicht mehr unwirklich, „Jesus ist
auferstanden“
Ja, Jesus lebt, er ist uns nahe. „Es ist der Herr“
- Er ist hier.
Da ist Jesus plötzlich verschwunden – aber
er ist immer noch da – Bei ihnen, in ihren Herzen.
Sie beginnen zu begreifen: „Brannte nicht das Herz
in uns, als er mit uns redete und uns die Schrift öffnete?“
In einem Augenblick Versöhnung und Heilung erleben.
Versöhnung mit der eigenen Vergangenheit, mit dem,
was ich nicht bewältigt habe, mit dem, was mich schwer
zu Boden drückt.
Das Herz wird leichter. Es ist erfüllt von neuer
Hoffnung.
Am Ende ihres Weges öffnet sich für die zwei
Jünger ein neuer Weg.
Sie laufen zurück. Freude bewegt die Jünger
– keine Angst mehr, Jesus setzt sie in Bewegung,
sie spüren neue Kraft in sich, neue Hoffnung beginnt
sich auszubreiten
In Jerusalem angekommen können nicht schweigen –
müssen von ihrem Erlebnis erzählen.
Sie müssen es weiter sagen: Es muss nicht alles bleiben
wie es ist.
Es gibt die Chance zur Veränderung
Jesus ist da, mitten unter uns. Auch heute noch.
Neues Leben ist möglich für Dich und für
mich. |
| Auch der Holzkünstler Erwin Würth aus
Petersbächel in der Pfalz, der die Bilder komponiert
und zusammengefügt hat, und seine Frau Petra
Würth, die die Texte zu den Bildern schrieb,
waren anwesend. Im Verlauf des Abends führte
Erwin Würth selbst durch die Ausstellung. |
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