Seminar zum Thema Abendmahl
Am 17. Mai fand im Gemeindehaus ein Gemeindeseminar mit
Pfarrer Boch zum Thema "Abendmahl" statt. Am diesem
ersten Abend wurde die Geschichte des Abendmahls und seine
Ursprünge beleuchtet.
Nach
Jesu Tod prägte die Gemeinschaft der ersten Christen
ihr gemeinsames Mahl. Das diente dazu, an der frohen Botschaft
festzuhalten, sich gegenseitig zu ermutigen und diese Botschaft
weiter zu tragen. Der Ursprung unseres Abendmahls geht auf
das jüdische Passafest zurück, das am Donnerstag
Abend, dem Sederabend, als Vorbereitungsfest begangen wurde.
Dabei kommt zum einen die Freude über die Befreiung
aus der Sklaverei in Ägypten und zum anderen der Ausblick
auf die Zukunft zum Ausdruck. Es ist ein großteils
freudiges Mahl. Durch die Deutung der Einsetzungsworte Jesu
wurde das Abendmahl vor allem mit Buße verbunden und
wurde zu einem besonders feierlichen, ernsten Mahl. Im Laufe
der letzten 30 Jahre gab es eine teilweise Besinnung auf
die, vor allem zur Freude und Fröhlichkeit führenden
Elemente dieses Sakramentes. Wir feiern die Gemeinschaft
mit Gott, Vergebung unserer Schuld und Verkünden Jesu
Wiederkommen. Das Bewußtwerden der Gegenwart Gottes,
der Anwesenheit Jesus Christus, führt teilweise zu,
"ängstlichem stillem Erstarren", zu Ehrfurcht
aber auch zu Freude und Befreiung..
Menschen brauchen sichtbare Zeichen um die unsichtbare Welt
Gottes deutlich zu machen. Ein Sakrament ist eine heilige
Handlung, ein Glaubensgeheimnis. Wort und Symbol kommen
darin zusammen und lassen uns die Wirklichkeit erst richtig
begreifen.
Die Bildszene aus dem Hungertuch von Sieger Köder gab
den Anlaß über Lukas 14, 15f nachzudenken. Gott
lädt zu seinem Fest ein, die Geladenen sagen aber mit
vielen Ausflüchten ab. Daraufhin werden einfache Menschen
von der Straße, den Platz der zuerst Eingeladenen
einnehmen.
Am Mittwoch den 24. Mai fand im Gemeindehaus der zweiten
Abend dieses Seminars statt. An diesem Abend standen die
Abendmahlssymbole bzw. Abendmahlselemente und ihre Bedeutung,
sowie die Praxis des Abendmahls in der Gemeinde auf dem
Programm.
Zunächst sammelten wir Stichworte, die uns auf die
Frage: Was bedeutet mir Brot?, einfielen. Dabei kam Einiges
zusammen: satt, hungrig, weich und hart, Leben, Arbeit,
Pause, Stärkung, Kraft, viele Formen, (Grund)Nahrungsmittel,
Körner-Erde-sterben, gut, im Verhältnis billig,
Lohn der Mühe, Salz, Ballaststoffe, frisch, teilbar,
Gebet, kein Tag ohne, gesäuert und ungesäuert
...
Wenn wir uns seine Bedeutung überlegen, wird ein Symbol
reicher, es füllt sich mit Leben.
Wir hörten anschließend auf die Geschichte: Brot
in deiner Hand, die zu der Erkenntnis führt, Brot spendet
Trost und Gemeinschaft und Brot schafft Versöhnung.
Beim Abendmahl geht es um miteinander teilen, Anteilnehmen,
Versöhnung und Vergebung, Erinnerung.
Das Abendmahl steht für den neuen Bund, wir gehen dabei
mit Gott ein "Bündnis" ein.
Es gibt, je nach Gottesdienstordnungen der Kirchen (unierte,
reformierte oder lutherische), verschiedene Abläufe
des Abendmahls. Das Element UMKEHR und BUßE ist in
jedem Gottesdienst vorhanden. Die weiteren Elemente der
Abendmahlsliturgie sind in ihrer Reihenfolge austauschbar.
Unverzichtbar sind die EINSETZUNGSWORTE. In der ANRUFUNG
wird der Heilige Geist herabgerufen, wir bitten in diesem
Gabengebet den Heiligen Geist um seine Gegenwart. In der
katholischen Kirche findet jetzt die Wandlung statt. Mit
den Worten: "so oft ihr von diesem Brot esset..."
ERINNERN wir uns an Jesu Tod und Wiederkommen. Dem folgt
die Bitte um Frieden und evt. der gemeinsame Friedensgruß.
Anschließend schmecken wir bei der AUSTEILUNG von
Brot und Wein die Wahrhaftigkeit des Mahls.
Es gibt auch in der ev. Kirche die Möglichkeit auf
einen Kelch zu verzichten oder den Wein durch Saft auszutauschen.
Dies sollte aber nur in Ausnahmefällen erfolgen. Beim
Verzicht auf Wein verarmt das Mahl, er ist das sichtbare
Zeichen des Festes.
Die Austeilung kann an unterschiedlichen Orten erfolgen.
Im Kreis oder Halbkeis, am oder um den Altar; mehrere Austeilungstische
können in der Kirche verteilt sein oder Kelch und Brot
wird durch die Reihen gegeben und Einer gibt es dem Anderen.
Dabei ist es möglich zu sitzen, stehen oder knien.
Jeder Christ kann das Abendmahl austeilen.
Es gibt keinen Abendmahlstandard der eingehalten werden
muß, äußere Dinge sind nicht entscheidend.
So gibt es Befürworter für Einzelkelche, als Symbol
dafür, dass jeder Einzelne vor Gott steht oder aus
hygienischen Gründen. Gemeinschaftskelche machen deutlich,
dass die Gemeinde immer auch Gemeinschaft ist und wir in
einer langen Reihe von Generationen vor Gott stehen.
Am Ende des Abends wurde noch das Kinderabendmahl angesprochen.
Jeder Christ hat mit der Taufe auch die Berechtigung am
Abendmahl teilnehmen zu dürfen. In unserer Tradition
ist dies erst nach der Konfirmation und der damit verbundenen
Unterweisung vorgesehen. Es ist aber auch hier bestimmt
richtig, über alternative Formen nachzudenken.
Das
Abendmahlsseminar fand seinen Abschluss im Abendmahlsgottesdienst,
den wir am Sonntag, den 28. Mai 2000 in der Kirche feierten.
Wir sollten weiter miteinander im Gespräch bleiben
um mit verschiedenen Abendmahlsformen unterschiedlichen
Menschen gerecht zu werden. Ein gewisses Maß an Toleranz
wird aber bei Alt und Jung immer gefordert sein. Gott läßt
sich immer von dem finden, der ihn von ganzem Herzen sucht.
Vielen
Dank an Pfarrer Boch für dieses lehrreiche Seminar.